| |
Perfekt gefügt
Der Sprinter von Mercedes mit Allradantrieb vereint
alle Vorteile eines modernen Transporterkonzeptes mit den Vorteilen
eines leistungsfähigen Allradantriebes. Ob Feuerwehrfahrzeug, Krankentransport,
Abschleppdienst, Montageteam, Bauhaupt- oder -nebengewerbe –
es gibt zahlreiche Einsätze, bei denen man sich den Einsatzort nicht
aussuchen kann.

Zum Allradantrieb gibt es also oft keine Alternative
– ebenso wenig, wie man bei der praktischen Umsetzung technischer
Innovationen auf solides Know-how, Kooperationsbereitschaft und
begeisterungsfähige Partner verzichten kann. Die Wilhelm Oberaigner
GesmbH in Nebelberg im oberösterreichischen Mühlviertel entwickelt
Lösungen für alle Antriebsbereiche, baut Allradtechnik vom Feinsten
und verfügt heute bereits über eine in Europa kaum zu überbietende
einschlägige Kompetenz. Das Unternehmen konzipierte, entwickelte
und produziert unter anderem Verteilergetriebe für den in Düsseldorf
gefertigten Mercedes Sprinter. Dieses Getriebe sorgt für die Übertragung
der Motorkraft an die Vorderachse, wobei derzeit bereits über 2.000
Stück jährlich – Tendenz steigend – gefertigt werden. Diese
Innovation hat dann auch bald eine solide Basis dafür geschaffen,
dass sich die Daimler Chrysler AG für Oberaigner als approbierten
Lieferanten entschieden hat.
Nun versteht es sich von selbst, dass Oberaigner seinerseits auch
bei der Auswahl seiner eigenen Lieferanten höchste Qualitätskriterien
anlegt. So ist es klar, dass für die Automatisierung eines Fügeprozesses
im Rahmen der Getriebefertigung nur erfahrene und verlässliche Partner
herangezogen wurden.
Die Aufgabenstellung
Noch vor gar nicht so langer Zeit wurden die Einzelteile der Getriebeeinheit
rein manuell verpresst. Thomas Aigelsdorfer, bei Oberaigner für
Produktionsplanung und Montage verantwortlich: "Vor der Anschaffung
der des Fügeautomaten ist bei uns alles mittels einer normalen manuellen
Presse händisch verpresst worden. Der Monteur war also dafür verantwortlich,
dass die Lagerschalen - rein mit Muskelkraft -entsprechend eingepresst
wurden. Dies geschah ohne irgendeine Überwachung oder Dokumentation."
Im Vorjahr kam es allerdings zu einer Situation, die eine Veränderung
bewirken sollte. Aigelsdorfer: "Wie unser Geschäftsführer, Herr
Oberaigner eine Ferialpraktikantin beobachtete, die nicht über die
erforderliche Muskelkraft zum Verpressen der Lagerschalen verfügte,
hat er die Entscheidung zur Investition in einen automatisierten,
dokumentierten Prozess mit einem geregelten elektromechanischen
Spindelpressensystem getroffen." Daraus ergab sich dann die wie
folgt definierte Aufgabenstellung: Werkstückträgerplatten sollen
mit den Einzelteilen einer kompletten Getriebeeinheit manuell bestückt
und danach im Automatikzyklus verpresst werden. Die Werkstückträger,
werden vorbestückt und manuell der Maschine zugeführt. Auf einem
Werkstückträger gibt es frei definierbare Einpresspositionen. Insgesamt,
zukünftige Anforderungen mitberücksichtigt, können bis zu 800 verschiedene
Getriebeteile auftreten. Bei den einzelnen Getrieben gibt es Gleichteile.
Für den Fall, dass diese zum Einsatz kommen, wurde die gleiche Einpressposition
auf dem Träger definiert.

Auf Grund unterschiedlicher Werkstückgeometrien
sind dazu mehrere Presswerkzeuge erforderlich, daher muss ein automatischer
Werkzeugwechsler integriert werden. Wegen der großen Produkt-Vielfalt
sollen die unterschiedlichen Trägerplatten schnell und positionsgenau
wechselbar sein. Aufgrund dieser Vielfalt bestand die Forderung
nach einem effizienten Datensatzmanagement. Die Bediener sollten
in der Lage sein, an der Maschine Einrichtarbeiten schnell und effizient
durchzuführen. Ziel war nun, dass nach der manuellen Bestückung
mit einem beladenen Werkstückträger, sämtliche Fügeprozesse, inklusive
Werkzeugwechsel, automatisch, überwacht, dokumentiert und statistisch
ausgewertet ablaufen. Ergonomie und Bedienerfreundlichkeit beim
Bestücken der Trägerplatten, sowie beim Produkt- bzw. Programmwechsel
sind ebenfalls wichtige Kriterien. Das Sicherheitskonzept muss den
Schutz der Bediener jederzeit sicherstellen, aber trotzdem ein ergonomisches
Arbeiten zulassen. Umsetzung Zunächst wurde durch Siems & Klein
auf Grund der bereits bestehenden Applikationen in Versuchen der
erforderliche Kraftbereich für die Fügeprozesse ermittelt und das
grundsätzliche Maschinenkonzept als Besprechungsbasis erstellt.
In den ersten Gesprächen wurde das genaue Anforderungsprofil im
Bezug auf Fahrprofile, Dokumentation und Anbindung an die Datenbank
erstellt. Auf Grund positiver Erfahrungen der Vergangenheit wurde
von Siems & Klein die Firma ASM für den mechanischen Part der Maschine
beauftragt. Diese hat in enger Zusammenarbeit mit Oberaigner die
Auflageflächen und Zentrierpunkte der einzelnen Gußteile festgelegt
und die Werkstückträgerplatten multifuntional konzipiert, sowie
in weiterer Folge den mechanischen Aufbau der Sondermaschine konstruiert.
Zeitgleich wurde Schmidt Technology (vertreten durch Siems & Klein
in Österreich) mit der Projektierung eines Projektplanes für die
Software und das Pressenmodul der Maschine beauftragt. Die Software
gewährleistet, dass alle Presspositionen, Preßvorgänge, Werkzeugwechsel,
Auswertung und Dokumentation über eine Steuerung erfolgen. Als Generalunternehmer
koordinierte letztendlich Siems & Klein die außerordentlich enge und
gute Zusammenarbeit sämtlicher beteiligter Firmen um im Sinne des
Kunden ein richtungsweisendes Maschinenkonzept zu erarbeiten und
zu verwirklichen.
Maschinenkonzept
Unter Beachtung der zuvor beschriebenen Aufgabenstellung entwickelten
die Firmen Siems & Klein und ASM das Konzept eines 3-Achens Fügeautomaten,
das in dieser Konfiguration richtungweisend und einzigartig ist.
Die Aufnahme- Zentriereinheit für die Werkstückträger ist dabei
in X-Richtung positionierbar. Auf der X- Achse sind ebenfalls die
Werkzeuge magaziniert, die bei Bedarf mittels eines automatischen
Werzeugerwechselsystems von dem Fügemodul aufgenommen bzw. abgelegt
werden. Die Presse selbst, die auf einem Portal sitzt, ist in Y-
Richtung verfahrbar. Der Fügeprozess wird mit einer ServoPress 420
(max. Presskraft 35 kN) über die Z-Achse realisiert. Die komplette
Maschine wird von einer hochflexiblen Pressen- und Anlagensteuerung
PressControl 4000 der Firma SCHMIDT Technology gesteuert und überwacht.
Diese verfügt über eine integrierte Soft SPS und CNC, überwacht
sämtliche IO's und steuert das Fügemodul inklusive die NC Achsen.
Datensatzmanagement
Um das Datensatzmangement einfach zu gestalten wurde zunächst eine
Modularisierung vorgenommen. Das heisst, jedem Getriebeteil wird
einmalig ein so genannter Presspositionsdatensatz zugewiesen. Solch
ein Datensatz beinhaltet, die X-, Y- Position,das Pressen Fahrprofil
und die Werkzeugdaten. "Beim ersten Auftrag wird mittels Eingabe
der Positionsdaten sowie über Eingabe der Pressparameter das erforderliche
Programm erstellt, indem jede Position einzeln eingerichtet wird,
erläutert Thomas Aigelsdorfer. "Es werden also die für die Qualität
des Prozesses relevanten Kräfte, Wege, Presspositionen oder Geschwindigkeiten
definiert und eingerichtet. Ein gewisser Aufwand, aber sobald das
einmal erstellt ist, eine ungeheure Erleichterung. Selbstverständlich
können wir die Files laufend aktualisieren und überarbeiten. So
können wir vielleicht Werkzeugwechsel einsparen und noch schneller
werden."
Pressen-, Qualitäts- (Kraft-Weg Fenster und Wegtoleranzen) werden
definiert, die einen sicheren Nachweis über die Qualität des Fügeprozesses
liefern und qualitätskritische Bereiche überwachen. Im zweiten Schritt
werden die sog. Produktdatensätze angelegt. Die Produktdatensätze
definieren eine vom Benutzer vorgegebene Sequenz in der die einzelnen
Presspositionsdatensätze geladen und ausgeführt werden. Kommt nun
ein neues Getriebe / Werkstückträger zum Einsatz, kann sich der
Bediener per ,Drag and Drop' in einer Explorer identischen Struktur
eine neue Produktdatensequenz definieren, bzw. eine schon bestehende
laden, was in der Praxis sehr schnell und einfach zu realisieren
ist. Eine Hardwareumrüstung der Maschine entfällt komplett. Der
Bediener kann alle Operationen vom Bedienpanel ausführen. Lediglich
die Werkstückträgertrays werden nach einem Zyklus manuell eingebracht
bzw. entnommen. Diese Operation ist ergonomisch über einen Lichtvorhang
gesichert. Darüber hinaus besteht noch die Möglichkeit neue Datensätze
offline über OPC/Ethernet zu generieren um einen optimalen Arbeitsfluß
und Stillstandszeiten bedingt durch Umrüstungen praktisch zu eliminieren.
Prozesssicherheit
Zusätzlich zum optimalen Konzept und zur Bedienung ist die Prozessicherheit
und ISO konforme Dokumentation ein zentraler Aspekt bei allen Anwendungen
in der Automobilbranche. Mit dem ServoPress Modul bzw. der PressControl
4000 Steuerung werden alle Prozessparameter in Echtzeit verarbeitet.
So bietet das System eine Kraft-Weg-Geschwindigkeitsgeregeltes Einpressen,
unterschiedliche anwendungsspezifische Standard-Einpressprofile
und freies Positionieren bzw. Generieren von Kräften und Wegen.
Über Fenstertechnik werden die Qualitätskriterien überwacht und
NIO- Teile sicher identifiziert und separiert. Bauteiltoleranzen
oder Werkstückträgertoleranzen werden intelligent erkannt und in
der Regelung berücksichtigt. Darüber hinaus bietet das System durch
die vollständige Aufnahme der Kurve inklusive Rückhub, die Möglichkeit
kraftabhängige Systemaufbiegungen, inklusive Bauteil, zu kompensieren.
Dies führt zur reproduzierbaren Positionierung von besser als ±0,01
mm, einer Genauigkeit die in dieser Applikation richtungweisend
ist. Mittels Statistischer Prozess Kontrolle SPC besteht zudem die
Möglichkeit die Prozessentwicklung statistisch auszuwerten und die
Prozessfähigkeit (u. a. cp- und cpk -Wert) zu ermitteln. All diese
qualitätsrelevanten Parameter werden bauteilbezogen dokumentiert
und archiviert. Damit lässt sich die komplette Historie des Prozesse
auch nach Jahren sicher nachzuvollziehen. Fazit Das Konzept und
die Umsetzung wurde den Kundenanforderungen in optimaler Weise gerecht.
Nachdem die Maschine nun seit 3 Monate zur vollsten Zufriedenheit
des Kunden, seitens Funktion und Bedienung in Betrieb ist, entsprechen
auch die geplanten Verbesserungen der Produktivität und Prozesssicherheit
in besonderem Maße den Anforderungen. Thomas Aigelsdorfer: "Bei
uns werden sämtliche Pressdaten sowie auch die Presskurven aufgezeichnet
und am Rechner abgespeichert. Gleichzeitig kann auch das Datum,
Uhrzeit und Serialnummer mitgespeichert werden. Über diese Zuordnung
im SAP können die Pressdaten jederzeit wieder nachvollzogen werden."
Vom ersten Messebesuch von Oberaigner am Stand von Schmidt Technology
auf der Motek bis zur Auslieferung und Abnahme sind auf Grund des
ambitionierten Teamarbeit der Beteiligten und Einsatz von Standard-Maschinenelementen
für die Prozesstechnik knapp drei Monate abgelaufen. "Wir hatten
während der Umstellungsphase keinerlei Probleme. Die Kooperation
mit den beteiligten Firmen verlief in allen Phasen äußerst zufriedenstellend.
Ich freue mich schon auf weitere Projekte mit Siems & Klein und
ASM", betont Thomas Aigelsdorfer. Das so realisierte Konzept ist
also in der Tat richtungweisend und könnte auch für zukünftige Anwendungen
leicht um automatische Bauteilezuführung erweitert werden. Die Vision
vom vollautomatischem Kartesischen Fügeroboter wird damit Wirklichkeit.
Das System ServoPress wird auf der Motek 2004 auf dem Stand 3217
von SCHMIDT Technology präsentiert. Die Unternehmen Siems & Klein
Automations Systems ist seit mehr als drei Jahrzehnten mit der Automation
und Rationalisierung in der Industrie beschäftigt und bietet Maschinen,
Anlagen und Komponenten für einschlägige Anwendungen. Im Mittelpunkt
unternehmerischen Handels steht die seriöse Arbeit und das Bemühen,
den Kunden durch objektive Beratung, umfassende Serviceleistung
und Kulanz zufriedenzustellen. Das Unternehmen sieht seine Aufgabe
besonders darin, seinen Kunden die jeweils neuesten Technologien
zur Verfügung zu stellen und solcherart Ihren Erfolg zu seinen zu
machen. Nachdem Siems & Klein Kunden immer mehr nach Gesamtlösungen
für ihre Fertigungsaufgaben suchen, kooperiert man intensiv mit
Partnerfirmen und steht dem Anwender als Projektverantwortliche
vom Lösungsansatz bis zur Inbetriebnahme zur Verfügung. Die Anfänge
der Unternehmenstätigkeit finden sich in der Fluidtechnik und in
der spanabhebenden Fertigung. Im Laufe der Zeit bis heute wurde
das Lieferprogramm ständig den aktuellen Anforderungen und Gegebenheiten
angepasst und in Richtung Montagetechnik und spanlose Verformung
geführt. Heute ist man spezialisiert in Füge-, Pressen- und Montagetechnik.
Die im salzburgischen Fuschl am See beheimatete ASM Maschinenbau
GesmbH wurde 2001 gegründet und beschäftigt sich seither mit dem
Bau von Sondermaschinen für die Automation von Montage- und Fertigungsabläufen.
Ein Team von 16 hochmotivierten Mitarbeitern stellt sich auf ca.
1000 m² in den Dienst der Kunden, die aus den verschiedensten
Bereichen der produzierenden Industrie kommen. In den zahlreichen
bisher gebauten Anlagen kommen unter anderem folgende Verfahren
zum Einsatz: Zuführen von Bauteilen über Sortierförderer, Stapelmagazinen
oder Förderbänder, Montageautomaten im Bereich Schrauben, Nieten,
Fügen und Kleben. Teilehandling mittels pneumatischer Antriebe,
Servo- Antriebe oder Roboter, Markieren von Bauteilen mit Laser,
Nadel- Strich- oder Ritzprägen, Durchführen von Mess- oder Prüfvorgängen
beispielsweise mit Kamerasystemen, dosiertes Aufbringen von Schmierstoffen,
Klebern usw. Zitat: "Egal wie groß eine Anlage ist oder was sie
kann - eines bleibt immer gleich: eine intensive und zielführende
Beratung im Vorfeld sowie ein bestmögliches After Sales Service.
Das machen wir nicht aus Nächstenliebe, sondern weil zufriedene
Stammkunden eine wichtige Absicherung der Zukunft für die ASM sind!"
|
|
|
|